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27. Dezember 2010

OBI von 2000 - 2010 = 10 Jahre Tarifflucht

Vor etwa zehn Jahren hat Manfred Maus, Gründer der Baumarktkette OBI, den Vorstandsvorsitz abgegeben.
Vor etwa zehn Jahren begann man bei OBI sich nach und nach aus der Tarifbindung zu stehlen.
Vor etwa zehn Jahren war es mit der vom Manager-Magazin 1992 testierten "Mitarbeiterfreundlichen Kultur bei OBI" vorbei!

Tarifverträge wurden gekündigt, aus Arbeitgeberverbänden ausgetreten oder die Mitgliedschaft in eine OT-Mitgliedschaft (OT = ohne Tarifbindung) umgewandelt.

Die Folgen:
  • Tarifliche Lohnerhöhungen blieben aus
  • Zuschläge  für Spätöffnung/Nachtarbeit/Sonntagsarbeit/Überstunden usw. wurden nicht mehr gewährt
  • Weihnachts-, und/oder Urlaubsgeld wurde nicht mehr gezahlt
  • Erhöhung der Wochenarbeitszeit auf 40 Std., ohne Lohnausgleich
  • Neueinstellungen zu teilweise sittenwidrigen Löhnen, 1200 € Brutto für 174 Std. Monat
  • Geringfügig Beschäftigte/Aushilfskräfte erhielten teils unter 5 € Brutto/Std.
  • Auszubildende erhielten teilweise nur die Hälfte der monatlichen tariflichen Ausbildungsvergütung
Als Ergebnis dessen lagen 2008 die Löhne bei OBI vereinzelt mehr als 20% unter Tarifniveau.
Doch "Tarif" bedeutet weit mehr als nur Bezahlung nach Tarif! Denn der Tariflohn ist nur ein Bestandteil des Tarifs, zwar der wesentlichste, aber dennoch gehört noch viel mehr dazu:
  • Arbeitszeit:  ohne Tarifvertrag bis zu 60 Std./Woche, mit Tarif je nach Bundesland 37,5 - 38 Std./Woche
  • Jahresurlaub: ohne Tarifvertrag 24 Werktage, mit Tarif 36 Werktage = 6 Wochen
  • Sonderurlaub:  ohne Tarifvertrag Nichts(außer BGB §616), mit Tarif ist der Anspruch genau geregelt
  • Zuschläge für Spätöffnung:  ohne Tarifvertrag Nichts, mit Tarif je nach Bundesland ca. 20%
  • Zuschläge für Samstagsöffnung:  ohne Tarifvertrag Nichts, mit Tarif je nach Bundesland ca. 20%
  • Zuschläge für Nachtarbeit:  ohne Tarifvertrag Nichts(außer ArbZG §6), mit Tarif je nach Bundesland ca. 50%
  • Zuschläge für Sonntagsarbeit:  ohne Tarifvertrag Nichts(außer ArbZG §11), mit Tarif je nach Bundesland ca. 120%
  • Zuschläge für Feiertagsarbeit:  ohne Tarifvertrag Nichts, mit Tarif je nach Bundesland ca. 150%
  • Zuschläge für Überstunden:  ohne Tarifvertrag Nichts, mit Tarif je nach Bundesland ca. 25 - 40%
  • Urlaubs- und Weihnachtsgeld:  ohne Tarifvertrag Nichts, mit Tarif je nach Bundesland zusammen ein Monatsgehalt
  • vermögenswirksame Leistungen: ohne Tarifvertrag Nichts, mit Tarif ca. 13,29 € mtl.
Längst nicht alle Vorteile eines Tarifvertrages sind hier genannt.
Anzumerken sei hier noch, daß nur eine starke Gewerkschaft gute Tarifverträge aushandeln kann!
Und nur so nebenbei: Nur Mitglieder der Gewerkschaft haben auch einen gesetzlichen Anspruch auf die tarifliche Leistungen!

Mittlerweile hat sich, durch den Druck der Betriebsräte, durch Streiks, und nicht zuletzt durch den Einfluß von ver.di die Situation gebessert.
Zufrieden können wir aber noch längst nicht sein, zu viele Baustellen sind noch offen.
Und die Haupt-Baustelle für uns ist und bleibt:
Die Rückkehr von OBI in die Tarifbindung!

Kommentare:

  1. Bei allem, was während der letzten 10 Jahre passiert ist, dürfte dies die größte Frechheit sein.
    Bei aller Verbundenheit zum Unternehmen, aber so etwas gehört sich nicht. Schon gar nicht, wenn man überall die Nummer eins sein will.
    Wie viel Personalkosten wurde dadurch in den letzten 10 Jahren eingespart? Wie viele Überstunden sind unter den Tisch gefallen?
    Kein Wunder konnten in diesem Jahr 30! Neueröffnungen stattfinden!
    Mein Wunsch an den GBR: Lasst in dieser Sache nicht locker!
    Wir haben bereits dafür gestreikt. Aber wir sind zu wenige.
    Endlich ist es ja, Dank der Komunikation in diesem Blog, möglich allen Kolleginnen und Kollegen diese Umstände deutlich vor Augen zu führen und wenn jede/jeder hier regelmäßig mitliest, erleben wir es vielleicht noch, das es keinen Markt mehr ohne BR gibt.
    Dann und erst dann, werden wir die Chance haben wirklich etwas grundlegendes zu ändern.

    Ein frohes und gesundes neues Jahr, wünscht Euch: Der kleine Biber

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  2. Entschuldigt bitte, aber eins muß ich noch loswerden.

    Bei der letzten Kick Off Veranstaltung, ich glaube die war 2001 in unserer Region, war Sergio Giroldi persönlich anwesend.

    Ich kann seine Rede natürlich nicht mehr Wort für Wort wiedergeben, aber die Kernaussage war folgende:

    Das Unternehmen OBI, wie wir es seither kannten, wird es weiterhin nicht mehr so geben, sondern es wird sich auf vielfältige Weise verändern. Es wird vielmehr gefordert werden aber auch vielmehr zurückgegeben.

    Das lass ich jetzt einfach mal so stehen und jeder kann sich selbst überlegen was wurde in den vergangenen 10 Jahren denn "besser", wovon hat man uns "mehr" gegeben?

    Wenn ich jetzt anfange alles aufzuzählen was uns genommen wurde, würde es den Rahmen hier sprengen.

    Wenn ich aufzählen soll was wir an "mehr" zurückbekommen haben, sind wir relativ schnell fertig: "Nichts"!

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  3. Naja dafür gibt es jetzt immer hin ein OBI Buch für jeden Mitarbeiter. Das macht mich nachdenklich. Wir erhalten ein Buch zu dem OBI Jubiläum. Was das wohl gekostet hat? Und was soll es auslösen bei den Mitarbeitern?
    Ich frage mich wirklich was das soll, da wird das Geld verpulvert für ein Buch worüber sich wohl die wenigsten Mitarbeiter freuen, eine kleine Anerkennung für die Mitarbeiter hätte mit Sicherheit für mehr Freude gesorgt.
    Also dann Glückwunsch zum Jubiläum, evtl. kann der GBR ja mal eine Urkunde für das Management bestellen - mehr erhalten die Mitarbeiter ja auch nicht nicht.
    Bin gespannt was ihr mit dem OBI Buch anfangt?
    Spontan dachte ich an Recycling.....

    Abschließend wünsche ich allen einen tollen Start ins neue Jahr!

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  4. @OBI-Zicke,
    das mit der Urkunde fürs Management ist doch mal ne Idee!
    Für 10 Jahre (de)Motivierung der Mitarbeiter und Einsparung von Personal(kosten)zur Gewinnmaximierung.
    Vielleicht wär das Buch ja was für Ebay?
    Recycling kommt nicht in Frage! Zu hohe Kosten...

    Das hier find ich auch gut!
    http://dehner-verdi.blogspot.com/2010/12/ein-gutes-neues-jahr-liebe-dehner.html

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  5. @Rebell ;-) Das Problem ist nur, dass die GL es nicht verstehen würden.....Ich glaube die sind wirklich überzeugt davon, etwas ganz tolles für die Belegschaft getan zu haben.

    Juchuh wir Mitarbeiter sind ein Buch wert...ach ja und ab 10 Jahre Betriebszugehörigkeit sind wir noch eine Urkunde wert.

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